Florenz Heldermann

Ein Untertitel, der mich treffend beschreibt. Unbedingt vor Livegang austauschen

Und weiter ging es direkt mit dem zweiten Band der originalen Foundation Trilogie, der den lieblosen Namen: "Foundation und Imperium" trägt. Im Gegensatz zum ersten Band, ist die Fortsetzung etwas fokussierter. Diesmal gibt es nur zwei Geschichten: "Der General" und "Das Maultier" - und spätestens beim Titel der zweiten Geschichte habe ich bereut diese Serie auf Deutsch zu lesen, aber gut. Kommen wir zuerst zum General.

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"Der General" ist die erste und deutlich kürzere Geschichte und der einzige Grund warum das Wort Imperium im Titel vorkommt. Von der Spannungskurve und Prämisse passt diese Story eigentlich besser zu den Geschichten von Band 1. Sie war nicht sonderlich spektakulär, aber langweilig auch nicht. Alles in allem eine kleine Nebengeschichte, die allerdings sehr schnell von der zweiten überflügelt wird.

"Das Maultier" nimmt fast 2/3 des Buches ein und ist der erste Versuch die Foundation in eine etwas übergreifende Story einzugliedern und entfernt auch gleichzeitig ein Sicherheitsnetz der Foundation - denn da bisher alles immer unter dem Motto "Die vorhergesagte Wahrscheinlichkeit schützt uns sowieso" lief, gab es in diesem Fall deutlich mehr Spannung. Und auch als ich dachte ich hätte das Ende schon vorhergesagt, wurde ich doch tatsächlich etwas überrascht. Nicht viel. Aber etwas.

Da den Geschichten mehr Raum gegeben wird, kann man dieses Mal auch von "Charakterzeichnung" reden. Nur auf rudimentärer Ebene, aber im Vergleich zum ersten Teil kann man sich eigentlich nur steigern.

Alles in allem war ich gut unterhalten, wünschte mir aber die "Maultier" Geschichte wäre in sich geschlossener und würde nicht nur als Cliffhanger dienen. Dann muss ich wohl direkt weiterlesen.

So. Isaac Asimov. Einer der ganz großen und vermutlich - neben Philip K. Dick - DER Science Fiction Autor mit dem größten Einfluss auf das Genre wie wir es heute kennen. Und mit Foundation legte er wortwörtlich das Fundament für mehrere vage verbundenen Reihen. Grund genug es mir mal anzugucken.

Die Foundation Trilogie

In der fernen Zukunft gibt es ein imperiales Kaiserreich dass die gesamte Galaxis umspannt. Ein Mathematiker entwickelt Psychohistorik [1] und sagt errechnet den bevorstehenden Untergang ebendiesen Kaiserreichs voraus. Daraufhin errechnet er einen Plan um das kommende Dunkle Zeitalter so kurz wie möglich zu halten und setzt er sich mit einer Gruppe Wissenschaftler am Rande des Universums ab um die "Foundation" für ein neues Imperium in der fernen Zukunft zu legen.

Ganz ehrlich, meine Erwartungen waren niedrig. Von anderen habe ich Kritiken gehört die die Worte "langweilig" beinhalten [2] und die neueren Kommentare auf Goodreads scheinen es zu bestätigen. Und generell bin ich skeptisch gegenüber alter SciFi Schreibe, meistens ist das Pacing und Sprache schon etwas "altertümlich". Um so erfreulicher fand ich es, dass es mir so ganz und garnicht vorkam. Das könnte vielleicht daran liegen dass ich hier die deutsche Übersetzung vor mir liegen habe und dass sie etwas weniger sperrig ist? Vielleicht auch an der generellen nierigen Erwartung.

Man merkt jedenfalls eindeutig das Foundation ein Kind seiner Zeit ist. Science Fiction war ein junges Genre und viele Dinge die heute als Grundausstattung eines "Weltraum Science Fiction" Romans gelten, gab es nicht. Diese Abwesenheit von gängigen Tropes ist irgendwie ziemlich erfrischend. Kein Technoblabla, und wenn nur angedeutet. Raumschiffe existieren zwar, aber ich kann mich nicht erinnern dass irgendwie irgendwo beschrieben wurde wie diese aussehen, und ein "Hyperraumantrieb" wurde auch nur angedeutet. Das Weltall war in den 50ern halt kleiner. [3]

Das Weltall scheint mir auch - zumindest in Band 1 - eher ein optionales Setting zu sein. Eigentlich könnte es auch im Mittelalter oder in einer Fantasywelt spielen. Es gibt Kaiser- und Königreiche, Aberglaube und Religion ist ein Bestandteil der Story, Raumschiffe könnten von ihrer Beschreibung auch Pferde sein und einige Zivilisationen entwickeln sich fast zu Stämmen zurück - jedenfalls wird (zu) oft das Wort Barbarei genutzt.

Gut - ok... , keine Raumschiffe, kein PewPewPew, keine gängigen Tropes... was bleibt dann noch? Diplomatie!
Foundation ist ein Buch über diplomatische Beziehungen. Es wird geredet, geredet und geredet. Eigentlich besteht die Geschichte fast nur aus Dialogen. Und dort spielt auch die komplette Charakterzeichung ab, d.h. eigentlich gibt es keine Charakterzeichnung. Die Guten sind gut und gerissen. Die Bösen meist plumb und arrogant. Ende. Sehr viel mehr lässt das episodenhafte Format auch nicht zu. Damit muss man leben können - vielleicht auch der Grund wieso dieses Buch heute nicht mehr so gut ankommt.
Mir jedenfalls hat es gefallen und stehe jetzt vor dem Problem dass ich nicht weiß mit welcher Reihenfolge ich jetzt an die Serie rangehen . Chronologisch? Nach Publikationsdatum? Die Asimov Reihenfolge? [4]

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  1. Eine Art Mathemathik dass auf Massenpsychologie beruht, eigentlich aber eher an Determinismus erinnert ↩︎

  2. Zum Beispiel von Marcel, der ruhig mal wieder etwas posten könnte. ↩︎

  3. Und dann gibt es noch die Atomenergie. Everyhing is Atom. Kein Wunder - zur Veröffentlichung der Kurzgeschichten war Atomenergie noch neu, risikoarm und ein mögliches Fundament der Zukunft. So kommt es dass es tragbare Atomreaktoren gibt, Atomgranaten, Atompistolen. Gelegentlich kommt es vor wie eine Worthülse um Dinge noch futuristischer ercheinen zu lassen. ↩︎

  4. Habe bemerkt dass ich scheinbar Band 4 und 5 auch im Regal stehen habe. Stark vergilbt und abgegriffen, scheinbar aus einem "zu verschenken" Korb am Strassenrand. Also so oder so werde ich vermutlich das Pferd von hinten aufzäumen und dann wohl zuerst das Ende lesen. Oder es kommt ganz anders. Da es sich um 15 Bücher handelt ist meine Motivation das anzugehen irgendwie auch gering. ↩︎

In den vorherigen Posts zu Büchern der "First Law" Reihe habe ich diese immer wieder in das Genre "Dark Fantasy" eingeordet. An sich nicht falsch, aber da gibt es scheinbar noch eine bessere Einordnung: Grimdark. Weniger Fantasy, mehr Abgründe in den Menschen. Es müssen hohe Preise für Ziele bezahlt werden, selbst die strahlendsten Figuren haben Makel und nebenbei wird noch ziemlich viel geschnetzelt. [1] Und genau das beschreibt die Welt von "The First Law" ganz gut.

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"Last Argument of Kings" ist der dritte Teil und letzte Teil der "First Law" Trilogie [2] - aber nur Band 3 einer größeren Reihe, die scheinbar ab jetzt wohl nur noch (etwas lieblos) "The First Law World" heisst. Sei es drum. Dieser Teil macht genau da weiter wo Teil 2 aufgehört hat und schliesst alle Storyfäden. Gegen Ende hin vielleicht etwas zu schnell. Spätestens in der Mitte des Buches gibt es ein zu erwartendes Ereignis wo ich dachte "Das kommt erst jetzt? Sind doch kaum noch Seiten da!".

Wieder gibt es Kämpfe und Schlachten - mehr als je zuvor. Und oh boy - selten wurde das Abtrennen von Gliedmaßen und das zerquetschen von Körperteilen genauer beschrieben. Wieder scheint Abercrombie die Farben Schwarz und Weiss aus seinem Repertoire gestrichen zu haben. Böse Charaktere sind vielleicht garnicht so böse, Gefeierte Helden vielleicht garnicht so strahlend, Weise Magier vielleicht garnicht so altruistisch. [3]
Kein Schwarz, kein Weiss, alle sind in einem strahlenden Grau, mit einer großen Menge Rot.

Falls sich wer fragt wo der Titel des Buches herkommt.

Also Fazit bisher: Fühlte ich mich bei Teil 1 noch etwas ins kalte Wasser geschmissen, hat Teil 2 mich direkt abgeholt und "Last Argument of Kings" war ein guter und heftiger Abschluss. [4] Sofern man mit "Game of Thrones" [5] etwas anfangen konnte, wird einen "The First Law" vermutlich auch sehr gefallen. Mir hat es Spass gemacht und wird nicht mein letztes Buch von Abercrombie sein.


  1. Ich fand diesen lesenswerten Artikel, der das Genre analysiert und besser beschreibt als ich es je könnte - wie sollte ich auch - ich habe gerade erst erfahren dass es es existiert. ↩︎

  2. Ich schreib hier bereits über Band 1 "The Blade itself" und Band 2 "Before they are hanged" ↩︎

  3. Und wieder sticht eine Figur hervor - der verkrüppelte Inquisitor Glotka dan Sand ist in eigentlich jeden Kapitel in dem er auftaucht ein Highlight. ↩︎

  4. Wobei Abschluss das falsche Wort ist - kam mir vor wie das Ende einer Serienstaffel, es gab noch zuviele kleine lose Enden. Und es gibt ja noch einige weitere Standalone Romane. ↩︎

  5. Ich sollte echt mal die restlichen Bücher lesen. Bisher hat mich immer abgehalten dass Buch 1 zu sehr an die Serie erinnert hat. Aber da sich Buch/Serie immer weiter entfernt haben und Staffel 7 und 8 so weit von "Gut" entfernt waren - warum nicht. ↩︎

Und das war er - der dritte Teil des Bobiverse und schließt ab was die ersten beiden Teile [1] begonnen haben.

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Wieder gibt es einen Haufen Sternensysteme, einen verrückten Brasilianer, außerirdische Zivilisationen und eine große Anzahl von Bobs. Und auch die große Bedrohung, die sich seit Teil 1 aufgebaut hat kommt drin vor und stellt damit neben der Delta Storyline den einzig anderen durchgängigen Storyfaden dar. Ansonsten auch dabei Transhumanismus und Existenzialismus. Nicht gerade auf dem Level dass Kant oder Sartre stolz wären, aber immerhin soweit wie es in die Story passt.

Alles in allem, ein guter Abschluss einer Trilogie. Wie ich vorher schon schrieb, ein bisschen seicht und nicht gerade ein "Rememberance of Earths Past" aber immerhin sehr unterhaltsam. Das Buch und die ganze Reihe [2] bekommt von mir solide 4 Sterne. Ruhig lesen, man macht nichts falsch.


  1. Für die Leute ohne Kurzzeitgedächtnis: We are Legion und For We Are Many ↩︎

  2. Es gibt noch einen vierten Teil, der führt die Reihe zwar weiter, aber scheint eher ein SpinOff als Fortführung zu sein. Werde ich vielleicht irgendwann lesen, aber erstmal hab ich genug. ↩︎

07/27/2021

LiedGut IV

Der Juli ist knapp vorbei und wieder eine neue Sammlung von mir neu entdeckten Favorites. Grundsätzlich handelt es sich hier nicht um neue Songs, sondern eher um Songs die ich neu entdeckt habe (und in diesem Fall einen Song der definitiv in diese Liste sollte).

Ansonsten, habe ich im Juli mein erstes Konzert seit Februar 2020 erlebt. Das sind fast 17 Monate. Element of Crime an der Seebühne Bremen. Ok, Sitzkonzerte sind seltsam, Sitzkonzerte mit freien Plätzen um einen herum sind auch seltsam. Und Sven Regener und Band werden auch nicht jünger, aber dennoch, ein guter Auftakt für ein Konzertjahr und hoffentlich nicht das letzte was ich dieses Jahr sehe.

Element of Crime - Seebühne Bremen - 2.7.2021

(Beitrag kann Partnerlinks beinhalten, welche vermutlich zu Amazon führen. Damit unterstützt ihr diese Seite. Wenn ihr wollt. Allerdings bin ich nicht drauf angewiesen, weswegen ihr euer Geld vielleicht eher bei eurem lokalen Plattenladen/Buchladen lassen solltet.)

Kae Tempest - Europe is lost

Und fangen wir direkt mit einen meiner Evergreens an - Kae Tempest's "Europe is lost". Ein Song von dem großartigen "Let them eat Chaos" Album von einem Interpreten der in jedes Regal gehört. Unglaublich viel Wut und Energie in einem Track der textlich seines gleichen sucht. Kae macht nicht wirklich HipHop oder Jazz, sondern ist meiner Meinung nach eher mit SpokenWord / Poetry Slam mit Jazz/Funk Einflüssen vergleichbar.

Ich mein...

Saccharine ballads and selfies and selfies and selfies
And here's me outside the palace of me
Construct a self and psyhcosis
Meanwhile the people were dead in their droves
And no, nobody noticed, well, some of them noticed
You could tell by the emoji they posted

Btw dieses Video war ein Fan-Video, welches Kae einfach zum offiziellen Video gemacht hat. Ziemlich cool.

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Früchte des Zorns - Das Herz ist ein Muskel in der Größe einer Faust

Ich weiss nicht wie dieser Track in meine Playlist gelandet ist, aber der Text ist symphatisch und bleibt im Ohr.

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Knarf Rellöm - Autobiographie einer Heizung

Zum ersten mal bin ich auf Knarf Rellöm * gestoßen als ich den Song "Drogen nehmen und rumfahren" gehört habe. Ein Projekt in dem Knarf Rellöm mitgewirkt hat - was auch immer er da gemacht hat - vermutlich Gitarre gespielt. Den Song hab ich hier sicherlich irgendwo schoneinmal erwähnt.

Dann bin ich auf diesem Track von Knarf Rellöm gestoßen. Seine Musik ist - ja... aber dieser Song - eigentlich eher ein Poetry Slam mit Gitarre ist großartig. Jedes "Ich erinnere mich ..." ist eine Geschichte, mit Nostalgie, Humor und ... Entsetzen.

Und ich erinnere mich an Kurzmanns Mutter, die war so verletzt
Dass sie uns etwas erzählte, das wir nicht wissen durften
Sie sagte: Ich wünschte, ich wäre so dumm, wie alle anderen Frauen
Die werden von ihren Männern geschlagen und lieben sie trotzdem
Wenn ich dümmer wäre, müsste ich weniger leiden

Aber moment mal.....

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Die Zukunft - Drogen nehmen und rumfahren

ICH HAB DEN SONG TATSÄCHLICH NIE ERWÄHNT? Schnell - nachholen! "Die Zukunft" war ein Projekt des Aeronauten Frontmanns Olifr M. Guz [1], Bernadette La Hengst und den oben bereits erwähnten Knarf Rellöm. Irgendwie so ein Song der genau das Gefühl vermittelt was zu einem lauen Sommernachmittag passt. Irgendwas mit "Freunden an einem See chillen, Stille genießen" und so Hippiekram - den wir alle verachten, aber eigentlich doch haben wollen.


  1. Leider viel zu früh im Jahr 2020 verstorben. ↩︎

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Twenty One Pilots - House of Gold

Vor ein paar Wochen bin ich auf den Instagram [1] Channel von Naethan Apollo gestoßen. Ein Künstler, der auf Instagram eine Reihe namens "Adding Rap Verses to Songs that definitley did not need Rap Verses but I am bored and did it anyways" macht, die definitiv auch mehr als drei Teile braucht. [2]. Im dritten Teil kam "House of Gold" und der erste Track den ich nicht kannte. Kurz reingehört und dann folgten noch ca. 20 weitere Plays. Leider jetzt totgehört, aber will euch diesen Track nicht vorenthalten.


  1. Ja, Instagram, ich sollte mal meinen "Digital Minimalism" Post updaten. ↩︎

  2. Hier Teil 1 (Lion sleeps tonight) und Teil 2 (Jailhouse Rock) ↩︎

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Buntspecht - Rotweinmund

Buntspecht hatte ich hier schon einmal mit "Unter dem Masken" erwähnt, aber Rotweinmund ist vermutlich der nächst beste Track des "Draussen" Albums und kickt dann wenn man sich an die "Hildegard Knef mit Käseraspel" Stimme des Frontmanns gewöhnt hat. Direkt gut Laune, tanzbarer Song, schöner interpretierbarer Text, alles irgendwie ... hui.
Am besten nicht hören wenn man spätnachts, leicht angetrunken, am Bremer Osterdeich entlangwandert, kann sein dass es ein paar Ausfall Tanzschritte gibt wenn man beim "schreib schreib schreib" gelandet ist.

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Dillon - Thirteen Thirtyfive (Live at Haus der Berliner Festspiele)

Und noch jemanden, die ich hier schon hatte: Dillon. Der Track "Thirteen / Thirtyfive" ist in der Studioversion schon großartig, die Liveversion toppt aber nochmal; hat eine eigene Aura. Toller Pop Vibe von einer supersympathischen Künstlerin mit einer schön verträumten Stimme. Sie verdient viel mehr Popularität.

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Alle Songs finden sich auch in meiner Spotify Playlist.