Habe mich ja ein bisschen auf das neue Buch von Blake Crouch gefreut. Seine Wayward Pines Bücher waren unterhaltsam und seine beiden letzten Bücher Dark Matter und Recursion gehörten für mich zu den abgefahrensten Büchern die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Vielleicht war genau deswegen meine Erwartungshaltung vielleicht zu hoch. Vielleicht ist das neueste Buch von ihm halt auch einfach nicht so gut.

Crouch geht nie ganz neue Wege. Dark Matter handelt von Paralleldimensionen und Recursion von Zeitreisen. Nicht sehr kreativ und eigentlich auch eher die gängigsten SciFi Tropes. Aber was die beiden Bücher so gut gemacht hat, dass Crouch etwas weiter gedacht und Implikationen - die die beiden Themen mitbringen - direkt mit in die Story einarbeitet und insbesondere bei Recursion sich am Ende alle Teile wie bei ein Puzzle zusammenfügen.
Bei Upgrade versucht der Autor jetzt dasselbe, scheitert aber aus meiner Sicht. Und das aus mehreren Gründen:
Hinweis: Die Fussnoten in den kommenden Abschnitten sind VOLLER kleiner und mittlerer Spoiler. Manche Dinge sind so abstrus, ich MUSS darauf eingehen. Seit gewarnt.
Zum einen kommt mir zuviel "bekannt" vor. Es gab, insbesondere im ersten der drei Teile mehrere Stellen die nicht nur unoriginell waren, sondern teils einfach nur von bekannten Filmen und Serien geklaut inspiriert übernommen wurden (Spoilerbeispiele aus den ersten 100 Seiten in den Fussnoten, Kurzfassung: "Simpsons did it before" in Reinform) [1] [2]. Und noch weitere Dinge. Zuviele Dinge.

Dann gab es noch Plotholes. Soviel davon. [3] [4] [5] [6] [7] [8] - und das war nur eine kleine Auswahl. Grundsätzlich stellte sich mir die Frage wieso Protagonist und Antagonist nicht einfach aus den Überwachungsstaat geflohen sind um woanders in Ruhe und ohne Stress den Plan umzusetzen? Ich versteh ja dass es schwer ist sich in unglaublich intelligente, fast gottgleich allwissende Wesen, die mehr lebende Computer als menschlich sind, hineinzuversetzen, aber hatte bei sovielen Handlungspunkten die "Warum? Das macht doch so keinen Sinn, wieso nicht ...." Frage im Kopf. Kaum zu glauben dass dies der gleiche Autor wie bei Recursion ist.
Und dann noch die eigentliche Geschichte an sich. Die grundlegende Ausgangssituation ist ok. Im Gegensatz zu seinen anderen Büçhern die einen mehr oder weniger in unserer Zeit spielenden Zeitrahmen haben, spielt die Geschichte in naher Zukunft oder in einer alternativen Zeitlinie. Insbesondere im ersten Teil gibt noch eine kleines Lore und Worldbuilding um die geheimnisvolle Mutter. Ein Geheimnis dass im Laufe der ersten 100 Seiten schön aufgelöst wird. Mal was anderes, aber passt schon. Bloss fehlen die "Blake Crouch" Momente. Die großen Twists. Die WTF Momente. All das. Nur wenige Stunden nach dem Beenden des Buches hab ich versucht mich an das Ende zu erinnern und musste da schon sehr lange nachdenken, einfach weil es generisch wirkte.
Um jetzt auch mal was gutes zum Buch zu schreiben. Es war nie langweilig. Immer passierte was und allgemein sehr kurzweilig. Und auch schnell durch. Quasi Popcornkino in Buchform, man darf nur nicht soviel darüber nachdenken [9] Aber die Dinge die die Vorgänger Bücher des Autors groß gemacht haben fehlten einfach komplett. Leider.